Lesezeit: ca. 3 Minuten

Noch in der Schwangerschaft macht man sich ja viele Gedanken wie das Leben mit Baby dann mal sein wird…auch wenn man sich die Wirklichkeit selten vorstellen kann! Ich habe mich natürlich auch gefragt, was man mit der vielen Zeit, die ich dann ja haben werde, Sinnvolles anfängt. Aus der Arbeitswelt kommend hatte ich natürlich kaum eine Idee, wie wenig Zeit einem mit Baby einmal bleibt. In meiner Vorstellung kam mir so ein Tag endlos vor, sah ich doch immer die vielen sogenannten „Latte-Macchiato-Mütter“ stundenlang mit Freundinnen im Café sitzen, in Dreier-Kolonnen die Kinderwagen durch die Einkaufsstraßen schieben und total gemütlich durch den Alltag schlendern. Mir sollte auf keinen Fall die Decke auf den Kopf fallen und so meldetet ich mich im Vorgeburts-Eifer bei verschiedenen Babykursen an…klar, die Kleinen sollen ja auch schon früh gefördert werden. Turnen und der Kontakt zu anderen Babys – je eher desto besser. Hörte sich auch alles sehr sinnvoll an.

Dass die Babykurse vor allem ein Treffpunkt für Mütter sind und weniger für die Babys, fand ich dann schon in den ersten Stunden heraus. Aber vielleicht lag es auch an meinem Kind, das immer zu Kurszeiten müde oder hungrig war und bei den „Halli, hallo …“ -Gesängen jedes mal ein klägliches Gebrüll anstimmte. Während die anderen fröhlich sangen und klatschten, verbrachte ich die Hälfte der Zeit mit Füttern oder einem schlafenden Baby auf dem Arm, das wenig Notiz von den anderen Kursteilnehmern nahm.

So kam mir der Tipp einer Freundin wie gerufen – statt Krabbelgruppe ein Museumsbesuch mit Führung bei der die Allerkleinsten sogar erwünscht sind. Perfekt! Denn warum sollte man bei der wenigen Zeit die einem bleibt auf Kulturgenuss verzichten? Aber die Vorstellung, mit Kinderwagen und einem eventuell schreienden Baby an überfüllten Wochenenden die andächtige Ruhe in den Ausstellungsräumen zu stören, kam mir bis jetzt nicht unbedingt in den Sinn. Aber das scheint auch anderen so zu gehen. So bieten die Freunde der Hamburger Kunsthalle  in der Veranstaltungsreihe Vater Mutter Kunst jeden ersten Dienstag im Monat Eltern mit Baby Führungen in der Sammlung und in den Sonderausstellungen an. Mit Stillraum, Abstellmöglichkeit für Kinderwagen und Wickeltisch soll das ganze sogar zu einem „entspannten Kunsterlebnis“ werden.

Und das war es wirklich! In einer kleinen Runde von Müttern erkundeten wir samt Baby und Kinderwagen eine Sonderausstellung zum Thema Videokunst.  Unsere Führerin besaß nicht nur Kunstverständnis sondern war auch ausgesprochen kinderlieb und schob eines der Babys auch mal selbst durch die Räume. Kleine Pausen zum Füttern, Wickeln oder was sonst nötig war, wurden völlig selbstverständlich eingelegt… und auch als ein besonders dunkler Raum ein Kind zum Weinen brachte wurde dieser sofort ausgelassen. Faszinierend zu beobachten war, dass die Babys auch schon in so jungem Alter unterschiedlich auf bestimmte Kunstwerke reagieren. Klar, alles bunte oder leuchtende ist besonders interessant, aber auch weniger farbige Werke erregten Aufmerksamkeit.

Ein wirklich empfehlenswertes Programm, das auch in vielen anderen Städten angeboten wird. Und der obligatorische Babytalk über die aktuellsten Entwicklungsschritte des Nachwuchses muss nicht ausbleiben! Das Museumscafé ist im Anschluss ein abwechslungsreicher Ort um sowohl über die Ausstellung als auch über den ganz normalen Windelalltag zu philosophieren.

Informationen:

Vater Mutter Kunst – Hamburger Kunsthalle    

Wann:             Jeder erste Dienstag im Monat 11.00 – 12.00 Uhr

Wo:                 Hamburger Kunsthalle

Eintrittspreis:   5 €, zzgl. Eintritt für Nichtmitglieder der Freunde der Kunsthalle

Ähnliche Angebote in anderen Städten:

München: Frischgebacken! – Lenbachhaus München

Frankfurt: KUNSTPAUSE FÜR MAMAS UND PAPAS – Städelmuseum Frankfurt

Share it!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.