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Nachdem die sommerliche Surfermatte einfach nicht in den nahenden Herbst passen wollte, steht jetzt unser Friseurbesuch an. Wir haben schon einige Salons ausprobiert und gehen nun zum dritten Mal zu einem kleinen Salon bei uns in der Nähe. Eigentlich war da mal der Papi Kunde und unser Junge durfte mit. Inzwischen gehe ich mit ihm auch alleine und er freut sich jedes Mal richtig darauf. Weil mich andere Mütter schon gefragt haben, wie wir das ohne Widerwillen hinbekommen, habe ich meine Erfahrungen zusammengefasst:

1 Der richtige Salon

In der Münchner Innenstadt gibt es keine speziellen Kinder-Friseure. Aber eigentlich soll es ja eh so sein „wie bei den Großen“. Wir haben einfach bei unserem Friseur nachgefragt, denn meist gibt es direkt Kinderpreise (von 10 bis 40€ ist alles drin). Ich empfehle gerade für Kinder einen kleineren Friseursalon: bei größeren Salons wird für Kinderschnitte erstaunlicherweise meist der jüngste und unerfahrenste Friseur eingesetzt. Wieso nehmen die nur an, dass eine Kinderfrisur keine anspruchsvolle Aufgabe ist? Natürlich lassen wir auch gerne den Lehrling ran, aber leider geben die sich immer viel zu viel Mühe! Alles ganz gemütlich und schön, wenn ich selber auf dem Stuhl sitze. Wenn da aber ein Dreijähriger sitzt, dann muss die Sache Ruckzuck gehen! Deshalb besser zu einem kleinen Salon. Da schneidet dann der Meister selbst – und ist schon fertig, bevor der Kleine überhaupt drauf gekommen ist, dass es langweilig sein könnte.


2 Kurzer Prozess

Das bringt mich zur zweiten und wichtigsten Empfehlung. Denn eines ist klar: die Geduld eines Kleinkindes sollte man nie überstrapazieren – am Ende leiden vor allem die eigenen Nerven. Kein Zögern, kein Abwägen, kein in Ruhe prüfen, ob da noch ein Härchen raussteht. Es kann ja von einem Augenblick zum nächsten vorbei sein mit der Geduld! Und damit mein Kind nicht mit halb geschnittener Frisur aus dem Laden rennt, wäre ich dann gefragt und am Ende fix und fertig nach einer Stunde wildester Ablenkungsmanöver. Ich bespreche also vorher genau, wie lange (oder eher kurz!) es gehen soll. Im empfehle für den Schnitt maximal 30 Minuten.


3 Mitmachen lassen

Wenn es ein kinderfreundlicher Salon ist sollte es möglich sein, dass der kleine Kunde gleich ein wenig mithilft: Die Kissen oder Handtücher zur Sitzerhöhung können selbst auf den Stuhl gehoben und gerückt werden. Danach wird auch selbst auf den Stuhl geklettert. Umhang zurechtzupfen, Kamm, Spangen oder andere wichtige Werkzeuge halten… Wenn das Kind das Gefühl hat, mitzubestimmen, ist eigentlich gar kein Widerwille mehr möglich. Das gilt übrigens auch für die Frisur-Vorbesprechung!

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Das Haarewaschen inklusive Kopfmassage wird sowieso nur beim Friseur so hingebungsvoll ertragen (und genossen!).


4 Gemeinsam umschauen

Beim Schneiden selbst zuzuschauen und sich im Spiegel zu sehen ist für O. immer noch spektakulär genug, so dass ihn das tatsächlich zwanzig Minuten beschäftigen kann.

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Danach noch gemeinsam andere Kunden zu beobachten ist richtig spannend: die Oma mit der Trockenhaube oder die Dame mit der Alufolie im Haar sind immer ganz besonders komisch und dürfen nun einmal (bitte taktvoll!) kommentiert und diskutiert werden.


5 Das richtige Picknick

Am Besten sollte man ein kleines Picknick mitnehmen, das ohne viel Kauen auskommt – sonst wackelt das ganze Köpfchen mit! „Quetschies“ sind optimal, aber auch Apfelsaft mit Strohhalm, Rosinen oder anderes getrocknetes Obst. Wir nehmen gerne die Produkte von Freche Freunde (z.B. hier oder im Supermarkt).


6 Unterhaltung

Am Besten finde ich es, O. so lange wie möglich am tatsächlichen Geschehen teilhaben zu lassen, ihn also gar nicht zu sehr abzulenken. Andererseits lesen wir Großen beim Haareschneiden ja auch mit Begeisterung die Klatschblättchen rauf und runter! Weshalb sollten die Kleinen nicht auch ein bisschen mit Lektüre versorgt sein?

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Der unbestrittene Klassiker der Kinderbücher zum Thema ist natürlich der Der Struwwelpeter selbst! Wir haben ihn als Kinder auch gelesen (ebenso wie unsere Eltern und Grosseltern) und haben es geliebt und gefürchtet. Denn was dort mit „ungehorsamen“ Kindern passiert, ist ziemlich grausam… Trotzdem macht es Spass und die Zeichnungen und Geschichten erinnern wir ja bis heute!

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Ein bisschen zeitgemässer ist Zähne putzen, Pipi machen (ab ca. 2 Jahren) zu allen Themen der Körperpflege. Dort geht der kleine Jonas auch zum Haareschneiden und es wird erklärt, wieso das nötig ist. Das kann also gut auf einen Friseurbesuch vorbereiten und die Vorfreude steigern, aber auch vor Ort noch einmal angeschaut werden.

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Das Schwein beim Friseur ist ein Kinderbuchklassiker von Erich Kästner. Die Kurzgeschichte selbst ist nur ein paar Seiten lang und erzählt vom kleinen Berthold, der mit seiner Mutter zum Friseur geht und schließlich auf einem Schwein sitzend durch die Stadt reitet. Eine typische skurrile Kästner-Story, die kleine Friseurbesucher bestimmt für eine Weile fesseln wird (ab ca. 3 Jahren).

Ich finde es immer schade, Kinder direkt mit einem Multimedia-Angriff zu beschießen. Aber wenn gar nichts mehr hilft, gibt’s natürlich auch das Ipad oder Iphone für Filme oder Hörspiele. Im Moment ist bei uns noch „Leo Lausemaus“ groß angesagt. Passend zum Thema: Folge 09 – Der Helfer-Tag


Mit diesen kleinen Hilfsmitteln und Tricks werden unsere Friseurbesuche immer zu einem schönen kurzweiligen Erlebnis und sogar eine ziemlich gute Nachmittagsbeschäftigung bei Regen! Vielen Dank, uns hat es gut gefallen und O. fragt jetzt schon, wann es wieder zum Friseur geht!

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