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Es ist wie verhext: gerade war da noch diese engagierte Ingenieurin mit politischen Ambitionen, mittendrin im Weltgeschehen, belesen, informiert, immer mit den Nachrichten auf dem neuesten Stand. Und dann bekommt sie plötzlich ein Baby! Keine drei Wochen später ist sie immer noch sehr engagiert und referiert leidenschaftlich über… ja, über was? Einschlaf-Schaukeln, die besten Zink-Cremes, Babypupse!


Babys kleine Welt

Wenn plötzlich so ein kleiner Mensch in unsere Welt einbricht, bleibt sie irgendwie stehen. Nach kurzem Innehalten dreht sie sich dann viel langsamer und im ganz eigenen Kosmos weiter. Zwischen den beiden Eltern gibt es erst einmal keine anderen als die drängendsten, ja existentiellen Fragen, die sich mit einem Baby stellen. Die nächsten vorsichtigen Kontakte zur Außenwelt sind dann auch geprägt von ähnlichen Gesprächsinhalten: „Wie trinkt es? Wie schläft es?“ Und wenn dann die Zeit der Babykurse und Krabbelgruppen, der ersten Spielplatz-Besuche und anderer Mami-Zusammenkünfte beginnt, dann ist bezüglich Baby Talk kein Halten mehr! Das ist bei allen so, völlig normal, irgendwie auch schön und sogar ganz wichtig! Nur manchmal überkommt einen dann diese Ahnung, dass es außerhalb der kleinen Käseglocken-Welt ja noch etwas gibt…


Die Welt da draussen

Die eine besinnt sich vielleicht irgendwann, dass die Elternzeit bald vorbei ist und der Arbeitsplatz „da draußen“ ruft. Die andere ist genervt von der kleinen Familien-Welt, fühlt sich eingeengt, vielleicht unterfordert, und will weiter mitreden können. Eine andere ärgert sich, dass der Partner mit den Nachrichten aus der Welt nach Hause kommt, während sie heute nur eine neue Breisorte ausprobiert hat… Ein großer Schritt, ohne Frage, aber vielleicht nicht alles. Sie will im Gespräch auf Augenhöhe bleiben, sich nicht ausgeschlossen fühlen, ihre Meinung vertreten können. Man kann auch einfach Lust haben, sein Hirn wieder mehr zu fordern oder über das Weltgeschehen außerhalb der eigenen vier Wände zu sprechen. Einfach wieder Teilhaben an der Welt da draußen!

Aus welchen Gründen auch immer – Am-Ball-bleiben-wollen, Mitreden-können, Wissensdrang, Neugierde – irgendwann will jeder wieder teilnehmen, sich informieren und seine eigene Meinung bilden.


Nicht gerade erste Priorität

Als frische Eltern ist das allerdings nicht so einfach: meist fehlt die Zeit und Muße, sich auch nur kurz einer Zeitung zuzuwenden. Da ist noch nicht mal die erste Seite aufgeschlagen, schon müssen wieder Windeln gewechselt oder Mahlzeiten vorbereitet werden! Tagesschau wäre eine gute Idee. Aber entweder sind die Kinder um acht noch nicht im Bett oder einem ist nach den überstandenen Zubettgeh-Kämpfen wirklich eher nach einer beruhigenden Netflix-Serie als nach Nachrichten. Tagsüber, zwischen Haushalt, Wickeln, Füttern und Einkaufen bräuchte ich also eine Möglichkeit, mich schnell auf den neuesten Stand zu bringen. Ganz wichtig: es muss dabei ansprechend aussehen und Spaß machen sollte es auch!


Richtig gute Nachrichten: meine Tipps von Profis

Ich habe dazu einige Freundinnen gefragt, die schon von Berufs wegen gut informiert sein müssen: eine politische Beraterin, eine Wirtschafts-Juristin und eine Journalistin. Alle drei sind bereits zum zweiten Mal Mutter und momentan in Elternzeit. Sie haben mir ihre besten Nachrichten-Quellen verraten:

1 Ganz altmodisch: die gedruckte Tageszeitung

Die Journalistin-Freundin bekommt während ihrer Elternzeit weiterhin täglich die Ausgabe ihres Arbeitgebers direkt in ihren Briefkasten. Wahrscheinlich würde sie sie nicht extra kaufen, aber wenn sie schon da ist, schaut sie doch gerne während der Mittagsschlafszeit auf die Schlagzeilen und ein paar Artikel. Ein Abo der Druckausgabe bleibt für sie deshalb in jedem Fall praktisch (und für Kochexperimente und Bastelabenteuer lässt sich dann die gestrige Zeitung wunderbar wiederverwerten, siehe Foto!)

2 Auch ein bisschen altmodisch: Radio

Wenn die Hände wieder zu beschäftigt sind, man vielleicht noch viel herumläuft – Füttern, Kochen, Wäsche machen, Spülmaschine beladen – ist eine News-Radio-App wie z.B. Euronews Radio eine super Sache! Wenn man dann – wie das im Kinderhaushalt so ist – nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung hat und nicht auf Nachrichten zur vollen Stunde warten kann, bietet sich der News-Podcast an, der ständig aktuell eingestellt wird. Für einen angenehmen Sound haben wir eine Aktivbox, die überallhin mitwandern kann, auch direkt in jedes Küchenchaos – siehe Bild.

3 Live Nachrichten auf dem Ipad

Auch eine gute Idee: direkt morgens beim Frühstück den Tag mit live Nachrichten auf dem Ipad starten. Der Kaffee ist frisch, die Laune ist noch gut. Bei tagesschau24 gibt es in nur 100 Sekunden das Wichtigste. Das lässt sich doch einbauen! Wer mehr Zeit hat, sieht dort in ca. 15-minütiger Dauerschleife die Nachrichten des Tages.

4 Twitter direkt aufs Handy

Twitter! Ein Medium, das ich bisher total ignoriert habe, ist für meine Freundin, die politische Beraterin, sehr wichtig und mit dem Handy gut in ihren Mami-Alltag einzubauen: „Ähnlich wie Instagram, nur mit Text-Nachrichten anstatt Bildern!“ Die Neuigkeiten kommen extrem direkt und früh – man muss nur wissen, wem man folgt… Sie empfiehlt: Auswärtiges Amt, Zeitungen, Fernsehsender, ausgewählte Journalisten, Abgeordnete, Parteien… Es ergibt sich kein Gesamtüberblick, aber man fühlt sich echt ganz nah am Puls der Zeit. Tweet, tweet, einfach mal ausprobieren!

5 Facebook auf die Handy-App

Ja tatsächlich, Facebook kann man auch für anderes als zum Freunde-Ausspionieren benutzen! Zum Beispiel politico europe folgen und ganz nebenbei für die Nachrichten aus Europa up to date sein.

6 Newsletter per Whatsapp

Newsletter oder News-Briefing per Email kennt man. Für ein sehr direktes News-Update gibt es seit Kurzem aber den „SZ espresso“ : der kostenlose Newsletter kann auf WhatsApp abonniert werden und sendet jeweils morgens und abends eine Nachricht mit den drei wichtigsten News und den dazugehörigen Links zum Online-Artikel.

7 News Apps auf dem Handy

Meine Freundin, die Juristin, informiert sich über News-Apps auf dem Handy, am Liebsten abends im Bett liegend, wenn die Kinder gerade eingeschlafen sind. Ein herrlicher Moment der plötzlichen Stille… Perfekt, um noch mal ein bisschen Schwung ins Hirn zu bringen!

Es gibt etliche News Apps von Tages- und Wochenzeitungen, die alle sehr ähnlich aufgebaut sind. Schaltet man die Push-Benachrichtigung ein, bekommt man tagsüber die wichtigsten Nachrichten direkt auf den Handybildschirm – eigentlich wie ein abgespeckter News-Ticker. Es lassen sich bei allen zusätzlich die eigenen Interessenbereiche auswählen. Ein paar zur Auswahl: Spiegel online, Zeit, n-tv.

Ein interessantes Format bietet die FAZ an: „Der Tag. Das Wichtigste der letzten 24 Stunden“ Die App ist für den Handy-User gedacht, hat also keine klitzekleinen Bilder oder anstrengendes Layout, sondern zeigt sehr klar: Die wichtigsten Themen mit Foto und Überschrift, durch Anklicken landet man im Artikel.


Meine Favoriten

Es gibt inzwischen wirklich einige tolle Möglichkeiten, trotz Elternzeit und Babywelt informiert zu bleiben. Raus aus der Käseglocke!

Alle Apps sind kostenlos und ich habe sie direkt jeweils ein paar Tage ausprobiert. Für mich gibt es zwei Favoriten:
Sicher bleibe ich erstmal Abonnent beim SZ espresso. Das Kurz-Briefing als WhatsApp finde ich total überzeugend, weil ich ihm praktisch nicht aus dem Weg gehen kann. Push-Benachrichtigungen verschwinden, Apps werden vergessen – den kleinen roten Punkt bei WhatsApp muss ich einfach lesen!
Die App FAZ – der Tag darf auch auf meiner Handy-Startseite bleiben. Die Grafik ist einfach so klar, die Information so gut präsentiert, dass ich gerne einmal täglich darauf klicke.

Dies sind ein paar Anregungen und jeder kann nun selbst testen und herausfinden, was zum eigenen Alltag passt. Ich bin sicher: neben diesen effizienten Nachrichten-Quellen bleibt noch genügend Zeit für tiefschürfende Gedanken über Breisorten und Babypupse und trotzdem scheue ich keine politische Debatte!

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One thought on “Achtung Käseglocke! – gute Nachrichten für die Elternzeit”

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