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Was unternehmen wir in der Kindergarten-freien Zeit? Nicht genug Schnee zum Schlittenfahren, die Spielplätze zu kalt und die Spielkameraden noch im Urlaub? Opas Tipp: die „Krippensammlung“ im Bayerischen Nationalmuseum.

Ich war erst skeptisch. Das hörte sich etwas angestaubt an. Jetzt so kurz nach Weihnachten waren die Kleinen zwar noch ganz gut informiert, was die Weihnachtsgeschichte und ihre Protagonisten betraf, und im Advent hatten wir ja auch viel mit den Krippenfiguren gespielt. Aber ich stellte mir die immergleiche Szene – Mutter, Vater, Kind im Stall – in verschiedenen internationalen und historischen Interpretationen vor. Und das wäre dann etwas, was einem Dreijährigen in seinem Detailgrad noch nicht so zugänglich ist.

Aber was wir dann fanden, begeisterte uns alle!

Magische Kellergewölbe

Im Untergeschoss ganz unauffällig neben dem Souvenirshop gelegen, eröffnen sich die Kellergewölbe mit einer Folge aus kleinen Räumen und Gängen, in denen die vielen Werke ausgestellt sind. Im Dämmerlicht geht es vorbei an eingebauten Schaukästen mit Szenen in aufwendig gebauten Städten und Landschaften. Richtige Miniatur-Bühnenbilder! Für die kleinen Besucher sind Trittstufen und Geländer angebracht, so dass auch alle einen guten Blick auf die Szenerien werfen können – sozusagen auf Augenhöhe mit dem Geschehen.

Die Krippensammlung, und das weiß fast keiner, ist die weltweit größte und wertvollste ihrer Art. Und für uns ganz wichtig: die altbekannte Szene im Stall ist nur eine von so vielen, die dargestellt werden – insgesamt etwa 60 Stück!

Alle Stationen der Weihnachtsgeschichte können betrachtet werden, von der Verheißung durch die Engel bis zur Herbergssuche in Bethlehem und später der Flucht nach Ägypten. Weitere Bibelstellen, Kämpfe, Marktszenen, Könige, Ritter, Engel, Pferde, Kamele… Immer wieder kleine Welten, die zu spannenden Fragen und unerwarteten Gesprächen führen.

Die Kinder sind fasziniert von den Märchen und Geschichten, die sie in den Miniaturschaubildern beobachten können: ein Bilderbuch zum Hindurchspazieren!

Die Figuren sind ausgesprochen stimmungsvoll präsentiert. Natürlich teilweise ein wenig opulent und kitschig, wie man es bei dieser Gattung ja erwarten kann, aber in so hervorragender Handwerkskunst und in diesem beeindruckenden Umfang eine absolut schöne Sammlung.

Die Arbeiten stammen aus dem Alpenraum und aus Italien und entstanden zwischen 1700 und dem frühen 20. Jahrhundert. Großenteils geht der Bestand auf die Privatsammlung eines Münchner Bankiers zurück, der sie noch zu seinen Lebzeiten immer im Advent der Öffentlichkeit in seinem Haus zugänglich machte.

Der Besuch lohnt sich auch allein, macht aber mit Kindern noch mehr Spaß. Wir konnten uns nicht jedes Schaubild im Detail ansehen, haben aber doch viele etwas länger betrachtet und uns insgesamt für den Rundgang etwa 45 Minuten Zeit gelassen.

Die Krippensammlung ist erstaunlicherweise ein echter Geheimtipp! Wer also in München lebt und einen Museumsnachmittag mit Kindern plant oder ein Wochenende in München verbringen will, sollte sich die „Krippensammlung“ nicht entgehen lassen. Wir kommen spätestens im nächsten Advent wieder!

Informationen:

Krippensammlung im Bayerischen Nationalmuseum

Die Krippensammlung ist zu den Museumszeiten geöffnet, allerdings nur von Anfang November bis Ende Januar. Zwischen März und Oktober braucht man eine Voranmeldung (oder viel spontanes Glück), wenn man die Sammlung sehen möchte.

Was die kleinsten Besucher betrifft, ist es wie so oft in alten Münchner Museen: treppauf, treppab – nicht besonders Kinderwagen-tauglich!

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One thought on “Bilderbuch zum Hindurchspazieren – ein Museumstipp”

  1. Ich freue mich jedes Mal, wenn Insa wieder in München unterwegs war und dann berichtet. Echte Geheimtipps, die man am liebsten sofort nacherleben möchte. Bitte weiter so!

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