Lesezeit: ca. 3 Minuten

Kinderkunsthaus - Pinsel

Neulich gab es bei uns zuhause einen ordentlichen Familienzwist: Ein neuer Wasserfarbkasten, ausgepackt und losgemalt, am weißen Kinderzimmertisch… Das weiße Blatt viel zu klein fürs kreative Werken. Das weiße Blatt bunt, der weiße Tisch bunt, das weiße Sofa bunt! Wasserbecher umgefallen, Küchentuch geholt, Farbtapser in der ganzen Wohnung, kleine bunte Hände an der Wand im Flur… „Stooop!!“ rief ich, „Zuhause wird jetzt nicht mehr gemalt!“

Gezeter, natürlich! Und nicht nur mein Sohn, sondern die ganze Familie forderte schließlich vehement das Recht auf Farbexperimente und kreatives Ausleben im großen Stil… Ich musste mir etwas einfallen lassen!

Wo können Kinder mal richtig malen?

Im Kindergarten wird gezeichnet, geschnitten, gebastelt… aber nicht mit dem Pinsel gemalt! Und ich hatte keine große Lust, unsere Wohnung in einen Performance-Space mit bemalten Wänden zu verwandeln. Und so landeten wir im Kinderkunsthaus in Schwabing.

Die Räume – Malwerkstatt gleich Chaoszone?

Eine Malwerkstatt für Kinder habe ich mir vor allem bunt vorgestellt, überall Pinsel und Papier, wildes Herumgerenne, bei jedem Schritt die Gefahr, in Kleister oder Farbresten hängenzubleiben. Ich hatte wirklich überlegt, für die ganze Familie Kleider einzupacken, die wir zur Not nachher wegwerfen könnten!

Mir graute vor etwas muffigen dunklen Räumen, wackligen Flohmarktstühlen an Tapeziertischen und frustrierten Töpfer-Tanten… Mein Sohn würde den Pinsel schwingen, ich würde ihm helfen müssen und dabei aufpassen, dass nicht irgendein Zwerg meine Handtasche mit Fingerfarbe „verschönert“ oder mein Baby herumrollende Bastelteile futtert!

Und dann kamen wir ins Kinderkunsthaus und wurden zum Glück positiv überrascht: einladende helle Räume, die so schick und frisch daherkommen, dass ich mich eher wie in einem netten Kindergeschäft oder coolen Café fühlte. Alle Möbel schlicht, geschmackvoll und auf Kindermaße abgestimmt. Dennoch ist die Atmosphäre nicht steril oder wie in einem Museum, sondern wirkt anregend und inspirierend und reißt einen mit, direkt loszulegen.

Kinderkunsthaus - Entree

Kinderkunsthaus - Garderobe

Kinderkunsthaus - Kreativwerkstatt

Kinderkunsthaus - Möbel

Kinderkunsthaus - Waschbecken

Die Materialien – keine Reste sondern nur das Beste!

Das Kinderkunsthaus überrascht auch bei den Materialien. Häufig wird Kindern eher übrig gebliebenes Kopier-Papier als Zeichenblatt angeboten, sozusagen „Resteverwertung“ oder „Second-Hand-Leinwand“. Obwohl der Gedanke im Sinne des Umweltschutzes sicher gut wäre, wird dieses Papier allerdings auch meist eher wie ein Rest behandelt – etwas achtlos und verschwenderisch.

Hier im Kinderkunsthaus sind die Materialien aber alle von höchster Qualität: Gmundner Papier, Malkreiden von Boesner… Einfach toll! Und damit wird zum Glück überhaupt nicht gegeizt: wenn ein Kind mehr malen, werken, schaffen will, bekommt es selbstverständlich so viel neues Material, wie es benötigt.

Umso erstaunlicher ist dann der Effekt bei den Kindern: kein Zerstören, gelangweiltes Herumkritzeln oder Verschwenden, sondern ein sehr sorgsamer und liebevoller Umgang mit dem Material. Ebenso wie mit den fertigen kleinen Kunstwerken, die stolz zum Trocknen aufgehängt werden.

Kinderkunsthaus - Materialien

Kinderkunsthaus - Tische mit Farben

Das Künstlern – alles einmal ausprobieren

Beim Betreten der Kreativwerkstatt erhalten alle – Kinder wie Eltern – einen Kittel bzw. eine Schürze. Die Tische sind bereits vorbereitet und auf jedem kann eine andere Technik ausprobiert werden: Malen, Drucken, Kneten, sogar Nähen steht auf dem Programm. Die jungen Mitarbeiter weisen in die angebotenen Materialien und deren Möglichkeiten ein und bleiben auch weiterhin für alle Rückfragen immer in der Nähe.

In den etwa zwei Stunden, die wir dort bleiben, sind ohne viel Hilfe von mir einige kleine Kunstwerke entstanden. Aber eigentlich sind die ERGEBNISSE gar nicht so wichtig (beinahe hätte wir sie sogar an der Wäscheleine vergessen!), sondern das ERLEBNIS ist das, was bleibt: es wurde experimentiert und gewerkelt, gepinselt, gerollt, gewalkt, gekratzt. Das schönste Ergebnis: kleine kunterbunt beschmierte Hände – und ein glückliches Kind!

Kinderkunsthaus - Bunte Hände

…und noch mehr

Für die größeren Kinder gibt es eine Trickfilmwerkstatt für kleine Stop-Motion-Filme aus Papierfiguren und Knetemännchen. Einige Computer geben die Möglichkeit, auch einmal ein Mal- und Zeichenprogramm wie „Paint“ auszuprobieren. Bei den heutigen Kindern, den „Digital Natives“, wahrscheinlich folgerichtig.

Kinderkunsthaus - Trickfilmwerkstatt
Trickfilmwerkstatt
Kinderkunsthaus - Computer
Erste Zeichnprogramme am Computer

Ein kleiner Shop und eine Leseecke mit Büchern laden zum kurzen Ausruhen im kreativen Treiben ein. Mitgebrachte kleine Geschwister können – wie in unserem Fall – hier auf Sitzsäcken herumkrabbeln, ohne zwischen Farbtuben und Bastelperlen zu geraten.

Kinderkunsthaus - Shop
Kleiner Bücher-Shop
Kinderkunsthaus - Leseecke
Kinder-Bibliothek und Krabbelecke
Kinderkunsthaus – so geht Malen!

Nun kann ich der Familie also berichten: Die Suche ist offiziell beendet, denn hier kann das Kind so richtig malen… Eine tolle Institution!

Natürlich malen wir inzwischen auch wieder zuhause! Allerdings habe ich mich vom Kinderkunsthaus anregen lassen und versuche, die vorbereitete Mal-Umgebung und auch den respektvollen Umgang mit dem Material in den eigenen vier Wänden einzuführen.

Die Möglichkeit, viele verschiedene Techniken auszuprobieren und richtig frei zu experimentieren, haben wir hier aber natürlich nicht. Deshalb kommen wir bestimmt bald wieder ins Kinderkunsthaus!


Informationen:

Kinderkunsthaus: offenes Programm

Wann:            
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr
Samstag und Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Montag und Dienstag ist Ruhetag.

Wo:                 Kinderkunsthaus, Siegesstraße 23, München Schwabing

Eintrittspreis:   5 € pro Person inkl. Material

Das offene Programm ist ein in Deutschland einzigartiges Angebot des Kinderkunsthauses. Es sieht vor, dass Kinder zwischen 2 und 14 Jahren ohne Voranmeldung oder Buchung eines Kurses vorbeikommen und kreativ werden können. Bis zum Alter von zehn Jahren sollte ein Erwachsener bei den Kindern bleiben.

Share it!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.