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gesamtzimmer

Wer in unsere Wohnung in München kommt, sieht als erstes ein großes Spielzimmer. Wer jetzt denkt, wir hätten einfach so viele Räume, dass wir ein separates Spiel- und Kinderschlafzimmer, womöglich noch Gäste-, Kaminzimmer und Bibliothek haben, der irrt leider. Nein, das gibt die Münchner Innenstadt leider nicht her! Aber in unserem Kinderzimmer wird tatsächlich nur gespielt, denn alle Familienmitglieder schlafen zusammen im Familienbett im Schlafzimmer. Und das kam so…

Als unser Großer zur Welt kam, nahm ich an, er würde nachts in seinem Bettchen schlafen und ich würde ihn nur zum Stillen kurz herausnehmen. Wenn ich von anderen hörte, dass sie ihr Kind mit ins Bett nahmen, fand ich das wirklich merkwürdig… Und dann kam er und nichts war wie erwartet! Geschlafen wurde wahnsinnig schlecht und nur an oder auf mir. An Ablegen – ob nun schlafend oder wach – war gar nicht zu denken. Schnell war klar, dass wir, wenn wir überhaupt zu Schlaf kommen wollen, das nur alle zusammen in einem Bett schaffen würden – unser erstes improvisiertes Familienbett!

Als er dann älter wurde, planten wir seinen Umzug ins eigene Bett und Zimmer. Eine Zeit lang klappte das Zubettbringen irgendwie, war aber immer eine Quälerei, bei der meist einer von uns Eltern neben seinem Bett als erster einschlief. Und nachts kamen dann die kleinen Schritte – taptaptap – sowieso wieder zu uns ins Schlafzimmer. Als sich dann die kleine Schwester ankündigte, war klar: wenn bald ein Baby ganz selbstverständlich bei Mami schlafen würde, ist es einfach nicht der richtige Moment für den Großen, um ins eigene Zimmer umzuziehen! Klar, im Schlafzimmer ist ja jetzt die Party, bei der alle sind!

Wir haben uns auch viele Gedanken gemacht, wie so ein Geschwisterchen erst einmal die Welt für ein Kind durcheinander bringt. Dass es die Eltern, die Aufmerksamkeit und Zeit plötzlich teilen muss. Eifersucht eigentlich vorprogrammiert… Umso mehr ein Grund, dass einfach beide bei uns schlafen würden. Genug Kuscheleinheiten für alle, auch wenn am Tag dafür manchmal die Zeit gefehlt hat…


Platz für alle

Unser Elternbett mit 1,80m war zu dritt noch eine bequeme Sache. Aber zu viert musste angebaut werden: anstatt das Bett des Großen (70cm breit) im Kinderzimmer leerstehen zu lassen, kam es auf die Papi-Seite, ein Baby-Beistellbett (50cm breit) auf die Mami-Seite. Alle Matratzen haben wir auf die gleiche Höhe montiert, so dass wir insgesamt auf drei Metern Bett liegen – ein echter Traum!

Zum Einschlafen liegen wir immer noch alle zusammen im großen Bett und später werden die Kinder einfach ein Stückchen nach außen verschoben, damit wir Eltern zumindest richtig nebeneinander einschlafen können. Im Laufe der Nacht krabbeln beide dann irgendwann wieder näher zu uns…


Interior

Das Familienbett hat zu Anfang häufig einen eher provisorischen Charakter. Und wenn die Kinder irgendwann nach kürzerer Zeit freiwillig und ohne Probleme ins Kinderzimmer umziehen, dann bleibt es auch dabei. Wenn aus einzelnen Tagen aber Wochen und dann Monate werden, sollte man doch ehrlich sein und eine etwas langfristigere Lösung suchen. Und die sollte dann auch den eigenen ästhetischen Ansprüchen genügen! Ganz wichtig neben dem reinen Zweck des Familienbetts ist mir nämlich auch die Gestaltung. Nur weil wir eine für unsere Gesellschaft „alternative“ Schlafsituation gewählt haben, muss es ja nicht wie eine Hippie-Liegewiese aussehen! Wir schlafen bitte schön!

Alle Teile haben wir passend zu unserem Elternbett in weiss lackiert gewählt, das verleiht dem Bettenlager noch mehr (optische) Ruhe. Wir haben einfach an unser Elternbett angebaut, so dass die einzelnen Kinderbetten später auch separat genutzt werden können. Die Bettwäsche für alle Betten ist bei uns ebenfalls weiss und in guter Qualität. Akzente mit Tagesdecke und Kissen sind in grau und beige. Unsere Lampe lässt sich stufenlos dimmen, so dass der Raum zum Einschlafen recht dunkel ist. Wir lassen aber dennoch genug Licht, so dass wir Eltern z.B. noch gemütlich ein Video schauen können, ohne dass dann der Bildschirm zu hell flackert.

Als Architektin finde ich es sogar richtig toll, dass die Zimmer jetzt so klare Funktionen haben: im Schlafzimmer wird nur geschlafen und im Kinderzimmer nur gespielt! Ich kann mir vorstellen, dass das noch zusätzlich zur Ruhe beiträgt, nicht dort zu schlafen, wo man vorher den ganzen Tag mit Toben und Spielen verbracht hat. Uns Erwachsenen rät FengShui auch, es wäre besser fürs Chi, nicht im Schlafzimmer zu arbeiten…

Während andere also ihre „Nurseries“ mit Bettchen, süssem Betthimmel und Mobile einrichten, bekommt unser Familiendampfer noch ein zusätzliches Beiboot und auf dem Nachttisch türmen sich die Bücher von Groß und Klein. So ein Familienbett kann ja auch ein Interior-Statement sein. Ich würde es sehr lässig finden, wenn es bald mal einen Artikel in der Architectural Digest mit tollen Familienschlafzimmern gibt!


Und die Vorurteile?

Lange Zeit fühlte ich mich tatsächlich so, als wäre es eine Nachlässigkeit, wenn die Kinder mit im Elternbett schlafen dürfen. Bin ich inkonsequent oder faul? Wird mein Kind zu sehr verwöhnt oder dadurch unselbständig? All diese Fragen werden in etlichen Blogs und Foren diskutiert, es gibt erbitterte Kämpfe, Vorwürfe und Vorurteile auf allen Seiten.

Auch ich habe erst mir Gedanken gemacht, wohin das wohl führt… Aber wie bei allen Themen der Kindererziehung bin ich dazu übergegangen, einfach das zu tun, was sich richtig anfühlt und wie sich auch mein Leben damit vereinbaren lässt. Ich kann diese ganzen Diskussionen zum Thema Schlafen „Attachment Parenting“ vs. „Jedes Kind kann schlafen lernen“ inzwischen ganz gelassen sehen, denn mir geht’s gar nicht so sehr ums Kinderwohl: Ich finde es einfach viel praktischer, gemütlicher und zielführender! Mit dem gemeinsamen Ziel: SCHLAF!


Alle an Bord?

Voraussetzung für die Einführung eines Familienbetts ist natürlich, dass das beide Elternteile gut finden. Häufig sind die Väter nicht so große Fans des Familienbetts. Klar, sie stehen ja auch nachts nicht so oft auf! Meistens ist es aber auch besonders für die Väter, die tagsüber ihre Kinder nicht so viel sehen, eine wirklich schöne Art, ihren Kindern nah zu sein. Wir müssen hier zum Glück keine Kompromisse machen, denn wir empfinden es alle vier im Moment als die bequemste, friedlichste und gemütlichste Schlafsituation für jeden. Es ist so eine kurze Zeit, in der die Kinder das wirklich gerne wollen und die möchten wir alle unbedingt genießen.

Deshalb nur Mut! Und einfach tun, was sich richtig anfühlt und was einfach gut funktioniert! Und dann das ganze aber bitte in schön!


Weitere Infos und Links

Wie schon gesagt habe ich mich zu Anfang leider sehr unsicher gefühlt und mich auch von anderen Müttern verunsichern lassen. „Mein Kind schläft durch!“, „…wir haben das Baby jetzt ausquartiert“, „Wir machen das Schlaftraining“, „…kontrolliert schreien lassen“… – hat sich alles komisch angefühlt und deshalb hat es bei uns so auch nicht funktioniert. Als wir dann unser erstes (noch eher unfreiwilliges) Familienbett hatten, habe ich mich viel belesen. Dies waren für mich die hilfreichsten Infos:

  1. Zur Sicherheit im Familienbett. Man hört immer wieder Geschichten, wie gefährlich das gemeinsame Schlafen sein soll. Wichtig ist, dass man alle Sicherheitsmaßnahmen, wie beispielsweise hier bei nestling.org, wirklich befolgt.
  2. Gute Informationen rund ums Familienbett gibt’s auf dem Blog geborgen-wachsen.de. Susanne Mierau schreibt über eine bindungsorientiertes und liebevolles Aufwachsen. Übrigens mit einer Galerie etlicher Familienbetten.
  3. Ein Familienbett, das vor einiger Zeit wie eine Bombe in den Sozialen Medien einschlug, ist dieser mehrstöckige Schlafpalast für zwei Eltern mit fünf Kindern bei wanderingtheworldbelow.com. Es stärkt die eigene Entscheidung, wenn man merkt, wie viele Familien weltweit so begeistert auf ein Familienbett reagieren!
  4. Ein paar Bücher zum Kinderschlaf, die mir am meisten geholfen haben:
    Das Stillbuch von Hannah Lothrop ist ein echter Klassiker, in den ich schon vor der Geburt reingeschaut habe, um mich auf das Baby und die ersten Wochenbett-Themen vorzubereiten. Die Zusammenhänge von Ernährung und Schlaf in den allerersten Wochen und die Bedürfnisse des gestillten Kindes werden gut erklärt.
    Babyjahre von Remo Largo ist ebenfalls ein Bestseller und wir konsultieren es wirklich häufig als erstes, wenn wir Fragen zur kindlichen Entwicklung oder Verhalten haben. Auch dem Schlaf ist ein grosses Kapitel gewidmet. In diesem werden z.B. Schlafrhythmen erklärt, aber auch , wieviele Kinder denn nun wirklich durchschlafen und ab wann.
    Besucherritze von Eva Solmaz hat mich ganz zu Anfang unserer Familienbett-Zeit bestärkt, unseren eigenen Weg zu gehen und mir mit gutem Humor viel von meiner Verunsicherung genommen.
    Schlafen und Wachen von William Sears ist praktisch die Bibel zum Familienbett. Auf Sears geht die Erziehungsmethode des „Attachment Parenting“ zurück und er hat viele gute und lesenswerte Ratschläge zur kindlichen Bindung und für eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung.

Produktinfos

Ehebett von Ikea in 180×200
Kinderbett von Hoppekids in 70×160 (später Aufstock-fähig zum Hochbett!)
Beistellbettchen von Alvi in 50×90 (eckig und etwas grösser als Babybay)

Bettwäsche von Stoffkontor
Tagesdecke ähnlich bei Zara Home
Kissen ähnlich bei Maison du Monde

Nachttisch von habitat
Nachttischlampe ähnlich bei Flamant
Korb von Ikea
Stuhl Fritz Hansen

Schlafsack von Stokke
Schlafanzug von Steiff

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One thought on “Schlaft schön! Unser Familienbett”

  1. Was für ein schöner Beitrag.

    Ich finde es wundervoll, dass die Bedürfnisse aller so schön vereint wurden.

    Ich durfte als Kind auch bei meinen Eltern schlafen und fand es sehr schön. Ich denke dieses Gefühl der Geborgenheit lässt ein Kind viel Vertrauen entwickeln.
    Ich habe das Bett dann relativ schnell selbst verlassen und wollte ein eigenes haben. Aber das Gefühl immer zu Mama und Papa gehen zu dürfen blieb stets.

    Viele Grüße

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